„Wenn Sie nicht gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht"

Liebe BIRKE-Freunde,

heute möchten wir Ihnen Joanna und ihre Geschichte vorstellen. Sie hat in ihrem Schwangerschaftskonflikt den Weg zu uns gefunden. Um die Anonymität der Schwangeren zu wahren, wurden persönliche Details abgewandelt.

„Ich??? Schwanger???“
Joanna ist geschockt, als sie den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält. Sie kann nicht fassen, dass sich die Versagerquote der Pille ausgerechnet bei ihr bewahrheitet. „Nein! Jetzt ein Baby, das ist unmöglich!“
Drei Jahre war sie in keiner Disco, um sich die 12-monatige Reise nach Lateinamerika leisten zu können. Die Reise steht kurz bevor, ihren Job in einem Café hat sie schon gekündigt. Und ihre Zukunft? Das Abi ist gerade geschafft und nach ihrer Reise möchte sie in Italien studieren. Sie ist sich sicher: „Erst muss ich meine Pläne verwirklichen, dann erst kann ich die Verantwortung für ein Kind übernehmen.“ Vor kurzem hatte sie eine Affäre mit einem Austauschstudenten aus Spanien, der in ihrer Stadt studierte. „Leidenschaft war das, aber keine Liebe. Nicht einmal seine Adresse hab ich und nun bin ich von ihm schwanger!“

Zum Glück hat Joanna ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter und vertraut sich ihr an. „Sie wird mir schon weiterhelfen“, hofft sie. Aber ihre Mutter ist mit der Situation selber vollkommen überfordert: „Was soll ich meiner Tochter raten? Ich will natürlich das Beste für sie... Aber was ist das Beste?“
So findet Joannas Mutter auf der Suche nach Hilfe die Telefonnummer unserer Beratungsstelle. Nach einem ersten Telefonat ist für sie klar: „Wir fahren da hin!!“ Sie fühlt sich von der Beraterin verstanden und gewinnt den Eindruck, dass sie ihrer Tochter dort wirklich weiterhelfen können.

Ein paar Stunden später sitzen Mutter und Tochter bei einer Tasse Tee und Keksen in Heidelberg im Beratungszimmer. Anfangs ist Joanna nervös, doch dann taut sie auf und erzählt. Die Beraterin merkt sofort, dass Joanna hochambivalent ist. Da ist ihre große Sehnsucht, viel zu erleben und ihre Freiheit zu genießen. Ein Kind bedeutet für sie Grenzen und die Übernahme von Verantwortung. Der Beraterin ist es wichtig, Joanna Perspektiven aufzuzeigen, die ihr die Verwirklichung ihrer Träume mit Kind ermöglichen: „Ich bin dafür, dass du deinen Reisetraum trotzdem verwirklichst. Könntest du dir denn vorstellen, die Reise zu verkürzen?“, fragte die Beraterin. Joanna wird nachdenklich. „Mmh, daran hatte ich noch gar nicht gedacht“. Auch ihre Studienpläne werden gemeinsam besprochen. Die Beraterin sichert ihr zu, sich zu erkundigen, ob und wie ein Studium mit Kind in Italien möglich wäre. Als Joanna und ihre Mutter auf dem Heimweg sind, führt sie schon Telefonate mit dem BAföG-Amt und holt Informationen von italienischen Universitäten ein.

Auch wenn nach dem vierstündigen Beratungsgespräch die Entscheidung noch nicht getroffen ist, konnten Joanna und ihre Mutter ihre Gedanken ordnen. Beide sind sehr erleichtert, dass es offenbar jemanden gibt, der sie auf ihrem Weg ganz persönlich begleitet.

Die folgenden Tage und Wochen sind ein heftiger Kampf. Joanna ist hin- und hergerissen, ihre Stimmung schwankt täglich. Auch ihre Pläne wechseln bei fast jedem Anruf bei der Beraterin. Steht heute noch die Lateinamerika-Reise auf dem Plan, so ist es morgen ein Job auf der MS Deutschland. Die Beraterin trägt alle Planänderungen mit und steht Joanna mit Rat und Tat zur Seite.

Nach vielen, oft sogar täglichen Telefonaten oder Emails über mehrere Wochen hinweg entscheidet sich Joanna für ihr Kind. Der Beraterin schreibt sie in einer Email:
„Wenn Sie nicht gewesen wären, wäre ich wahrscheinlich durchgedreht. Diese Achterbahn der Gefühle in den letzten Wochen war furchtbar. Es tat sooooo gut zu wissen, dass ich immer bei Ihnen anrufen kann, dass Sie mich einfach ernst nehmen, so wie ich bin, und immer meine verrückten Ideen mit mir bereden. Meine Pläne haben sich übrigens schon wieder geändert ;-) Ich weiß, ich bin anstrengend ;-) Hab mich beworben und einen Job beim Drehen eines Werbespots bekommen. Ja und dann geht’s erst mal einen Monat nach Brasilien. Daaaaaaaaaanke für alles!!!“

Diese Konfliktgeschichte zeigt, dass Konflikte nicht immer mit Geld zu lösen sind. Joanna hatte keine finanziellen Nöte, sondern brauchte professionelle Beratung und intensive Begleitung – die natürlich auch etwas kostet. Sie brauchte jemanden, der ihr Mut macht und ihr Perspektiven für ein Leben mit Kind eröffnet.

Diesen Sommer wird ein kleines Baby geboren, das Dank Ihrer Spenden leben darf!
1000 DANK für Ihre Unterstützung, ohne die wir unseren Schwangeren nicht helfen könnten! Bitte spenden Sie weiter, damit wir auch in Zukunft Schwangere wie Joanna beraten und begleiten können.

Herzliche Grüße aus Heidelberg
Ihr

BIRKE-Team