Das schlechte Gewissen der Abtreibungslobby

Ein INTERVIEW mit Kristijan Aufiero,
Geschäftsführer von Die BIRKE e. V. in Heidelberg (ungekürzte Originalfassung).
Die Fragen stellte Jens Becker

FRAGE: Am kommenden Samstag findet Ihr Seminar „Sex ist Gottes Idee – Abtreibung auch?“ auf dem „Christival“ in Bremen statt. Warum wird Die BIRKE in diesem Zusammenhang Ihrer Ansicht nach so massiv von pro familia und bestimmten Medien angegriffen?
ANTWORT: In Wahrheit sind es gar nicht wir, die angegriffen werden. Es sind die Schwangeren im Konflikt und ihre ungeborenen Babys. Sie sind Ziel und Opfer solcher Kampagnen.

FRAGE: Wie ist das zu verstehen? In den Artikeln ist immer nur von der BIRKE die Rede!?
ANTWORT: Das stimmt leider. Von den Schwangeren und ihren Kindern redet niemand. Aber wir tun es und wir werden damit auch nicht aufhören.

FRAGE: Bleiben wir bitte bei den aktuellen Vorwürfen. Können Sie Ihre Behauptung, dass „die tageszeitung“ (taz), pro familia oder etwa der Grünenpolitiker Volker Beck etwas gegen „Schwangere in Konflikt und ihre ungeborenen Babys“ haben, begründen?
ANTWORT: Natürlich richtet sich deren Wut nicht expressis verbis gegen die betroffenen Personen. Zunächst richten sich die Verleumdungen gegen uns. Aber das, was sie stört, was sie wirklich auf die Palme bringt, ist letztlich die Tatsache, dass sich schwangere Frauen im Konflikt nach einer BIRKE-Beratung für ihr Kind entscheiden.

FRAGE: Was stört daran?
ANTWORT: Es ist das schlechte Gewissen. Sie müssen bedenken, dass diejenigen Kritiker, die am lautesten schreien, ihr Geld mit der Tötung von ungeborenen Kindern verdienen. Das kann man nur schwer verarbeiten. Als Kompensation gehen sie dann auf uns los. Unsere tägliche Arbeit und Erfahrung beweist, dass die überwältigende Mehrheit der Abtreibungen durch entsprechende Beratung und Hilfe verhindert werden kann. Das ist die Realität, die die Abtreibungsfanatiker so beschämt und die ihnen so unerträglich ist.

FRAGE: Wie kann „die überwältigende Mehrheit der Abtreibungen verhindert werden“?
ANTWORT: Die Frauen, die täglich zu uns kommen, wollen nicht aus Jux und Tollerei abtreiben. Sie haben massive Probleme und sind einem enormen Druck ausgesetzt: Der Partner, die Eltern, die Ausbildung, der Job, die Wohnung, die finanzielle Situation usw. – die Schwangeren sind entschlossen abzutreiben. Im Gespräch kämpft die Beraterin dann darum, die Hintergründe dieses Entschlusses aufzudecken.

FRAGE: Und dann?
ANTWORT: Die Frau und ihre drückenden Sorgen ernst zu nehmen, bedeutet für uns: Nach Lösungen suchen – konsequent, zeitnah und vor allem gemeinsam. Am Ende steht ein substantielles Hilfs- und Unterstützungsangebot für ein Leben mit dem Kind. Das ist eigentlich alles. Mehr ist „BIRKE“ eigentlich nicht, aber eben auch nicht weniger.

FRAGE: Wie sieht diese Hilfe aus?
ANTWORT: Unsere Unterstützungskonzepte sind so individuell, wie das Leben der Frauen und Paare, die zu uns kommen: Eine Finanzierungszusage für eine Tagesmutter während des ersten Lebensjahrs des Babys, Eheberatung bei einem Paar-Therapeuten, die Kostenübernahme für eine Schuldnerberatung, ein zinsloses Darlehen für die Mietkaution für eine größere Wohnung und vieles, vieles mehr. Worauf es ankommt, ist, dass es schnell geht und dass Hilfe und Entlastung wirklich da ansetzen, wo der Druck auf die Frau am größten ist.

FRAGE: Und dann fällt die Entscheidung zu Gunsten des Kindes?
ANTWORT: Ja, in der überwältigenden Mehrheit der Fälle.

FRAGE: Was ist mit der moralischen Dimension der Abtreibung? Was sagen Sie den Frauen dazu?
ANTWORT: Moralische Diskussionen in der Konfliktsituation zu führen, ist kontraproduktiv und gefährlich. Wenn Sie das Baby retten wollen, müssen Sie die Frau ernst nehmen, ihr helfen und dürfen sich nicht in moralischen Predigten gefallen.

FRAGE: Man liest immer wieder den Vorwurf, dass Ihre Herangehensweise in der Beratung die Entscheidungsfreiheit der Schwangeren einschränke?
ANTWORT: Mit ihrem Gerede von „Entscheidungsfreiheit“ liefern sie die Frauen defacto dem ungeheuren Druck aus, den deren Umfeld oder Lebensumstände ausüben. Wenn Sie das subjektive Gefühl haben, am Abgrund zu stehen, brauchen sie keinen, der Ihnen sagt: „Hey, das überlass ich ganz Dir, das darfst Du ganz alleine entscheiden!“, was diese Frauen hören wollen ist: „Ich steh’ zu Dir, ich helfe Dir, ich lass’ Dich jetzt nicht mit Deinem Problem allein“.

FRAGE: Kritiker behaupten, die BIRKE berate nicht ergebnisoffen. Ganz aktuell kommt dieser Vorwurf von der Bremer „Landesgeschäftsführerin“ von pro familia. Was sagen Sie dazu?
ANTWORT: Ein und dieselbe Person sucht in einer aktuellen Stellenanzeige einen Frauenarzt für ihre Einrichtung. Im Anzeigentext heißt es, dort würden „ambulante Operationen im Bereich der Familienplanung durchgeführt“ und es sei „Erfahrung in der Durchführung von Schwangerschaftsabbrüchen “ vonnöten. Daher erlaube ich mir, Ihre Frage mit einer Gegenfrage zu beantworten: Wie ergebnisoffen ist denn die Beratung einer Einrichtung, in der die Berater Beratungsscheine ausstellen und die Schwangere dann drei Türen weiter zum eigenen Abtreibungsarzt schicken? Wie objektiv ist eine Einrichtung, die ihr Geld demnach mit der Ausstellung dieser Tötungslizenzen und gleichzeitig mit Abtreibungen verdient? Das ist frauenverachtend! Sich dann auch noch „pro familia“ zu nennen, ist blanker Zynismus.

“Pro familia” hat wenige Stunden nach Veröffentlichung dieses Interviews die erwähnte Stellenanzeige, vermutlich aus Scham, vom Netz genommen. Natürlich haben wir vorgesorgt und die Anzeige abgespeichert:

Bild - Profamilia Stellenanzeige

FRAGE: Ist Ihre Beratung ergebnisoffener?
Antwort: Allerdings! Die BIRKE berät ergebnisoffen, weil sie zum Leben rät: Das Leben ist ergebnisoffen. - Wer hingegen zur Abtreibung rät, rät zum Tod und der ist nicht ergebnisoffen, sondern das Ende aller irdischen Offenheit. Das ist die Richtung, in die unsere Kritiker beraten

FRAGE: Ihr Motto ist wohl „viel Feind – viel Ehr!“?
Antwort: Nein, gar nicht. Fakt ist aber, dass wir uns schon lange eine neue Diskussion über die alltägliche Massentötung ungeborener Babys in Deutschland wünschen. Wir haben kein Geld für PR-Agenturen oder –Mitarbeiter. Deshalb sind wir dankbar, wenn unsere Gegner dieses Geld haben und das Thema wieder in die Medien bringen.

FRAGE: Wie finanzieren Sie Ihre Hilfe für die Schwangeren?
Antwort: Weil sich unsere Beratungsarbeit und unsere Hilfe für Schwangere strikt auf die Unversehrtheit der Mutter und das Überleben des Kindes ausrichtet, erhalten wir keine staatlichen Geldern. Unsere Hilfe finanziert sich ausschließlich durch Spenden.

FRAGE: Das klingt nicht gerade so, als ob Sie darüber betrübt wären?
ANTWORT: Es ist natürlich einfacher, dem Zeitgeist das Wort zu reden und sich mit be-stimmten, aktuellen Vertretern der politischen Klasse einzulassen. Wenn Sie als Non-Profit-Organisation, Ihr Fähnchen fleißig in den Wind hängen, der zurzeit meist von links weht, fließt oft schnell viel Geld. Vorübergehend jedenfalls.

FRAGE: Vorübergehend?
ANTWORT: Ja, vorübergehend. Das Wohlwollen von überzeugten Spendern ist zuverlässiger und nachhaltiger, als die Sympathie eines Politikers. Wir bauen die Zukunft der Schwangeren und ihrer Kinder lieber auf Menschen, die von unserer Arbeit überzeugt sind. Und wir sind lieber privaten Spendern und Unterstützern verantwortlich, als Politikern, Ministerialbehörden oder politischen Beamten.

FRAGE: Ist die BIRKE eine evangelische oder eine katholische Organisation?
ANTWORT: Wir sind weder eine evangelische noch eine katholische Organisation. Ich selbst bin praktizierender Katholik, andere Mitarbeiter der BIRKE sind evangelische Christen. Aber wir alle leben unsere christliche Grundüberzeugung.

FRAGE: Und wie ist das mit Ihren Spendern und Förderern?
ANTWORT: Wir fragen unsere Spender nicht nach Ihrer Konfession. Wir sind jedem Einzelnen einfach nur dankbar. Über unsere prominenten Unterstützer im Kuratorium lässt sich ebenfalls sagen, dass darunter Katholiken genauso, wie evangelische Persönlichkeiten zu finden sind. Zu unseren prominentesten Unterstützern gehören zum Beispiel Papst Benedikt XVI., der Philosoph Robert Spaemann ebenso wie der emeritierte ev. Landesbischof Ulrich Wilckens oder der große Tübinger Theologe Martin Hengel.

FRAGE: Wie viele Kinder, die eigentlich abgetrieben werden sollten, werden durch Ihre Arbeit gerettet?
ANTWORT: Zu wenige.

FRAGE: Können Sie diese Frage bitte konkret beantworten?
ANTWORT: Ja, ich könnte sie konkret beantworten. Ich tue es aber aus gutem Grund nicht. Unser Standpunkt zu dieser quantitativen Herangehensweise an unsere Arbeit ist sehr klar: Jedes Baby ist unendlich kostbar. Und wenn es nur ein einziges Kind wäre, das auch dank der Arbeit der BIRKE zur Welt kommt – all die Arbeit und all der Aufwand, den wir jedes Jahr treiben, hätte sich gelohnt. Aber ich kann Sie beruhigen: Es sind viel, viel mehr Babys, als „nur“ dieses Eine.